Ein gesegnetes Opferfest! Und ein friedliches, gesundes. Noch ist die Corona-Pandemie nicht bezwungen. Aber ein anderes Thema beschäftigt an diesen Festtagen unsere Gemüter noch mehr: Die Flutkatastrophen der letzten Woche. Spendet! Sei es auch nur wenig. Die Masse macht’s. Wir werden hier keine Organisation nennen. Nehmt eine, die schon vor Ort ist und der ihr zutraut, schnell und unkompliziert ihre Hilfe zu verstärken.

Es ist Opferfest. Traditionell wird ein Tier geschlachtet und an Bedürftige, Nachbarn und Angehörige verteilt. Das Opferfest hat in Deutschland keinen guten Ruf. Viele Jahrzehnte war es von Diskussionen um das Schächten begleitet. Zu manchen Zeiten und Orten hat das zu heimlichen Schlachtungen geführt oder dazu, dass Geld ins Ausland geschickt wurde, um dort ein Opfertier zu schlachten und zu verteilen.

Diese Praxis hat eine ganze Generation von Muslimen in Deutschland, vielleicht sogar zwei vom Geist des Opferfestes entfernt. Dieser Geist entspringt der Geschichte Abrahams, dem Stammvater der drei großen monotheistischen Religionen. Mindestens zwei Kernthemen sind an der Geschichte, dass Abraham Gott seinen Sohn opfern sollte, noch immer aktuell. Hierbei sei dahingestellt, ob es sich dabei um Ismael handelte (wie Muslime glauben) oder um Isaak (wie es für Juden und Christen ist).

Zum einen hat jedes Menschenopfer mit Abraham ein Ende. Statt seines Sohnes bietet er als glückliche Wendung der bekannten Geschichte Gott schließlich ein Opfertier dar. Als Teil der muslimischen Pilgerfahrt nach Mekka ist uns dieses Ritual bis heute als Opferfest erhalten geblieben. Und wir müssen uns als Menschheit fragen, ob wir Jahrtausende nach Abraham endlich die Tragweite dieser Symbolik tatsächlich in unser Dasein getragen haben. Noch immer sterben Menschen von Menschenhand. Und wir müssen uns fragen, warum wir es seit Abraham nicht geschafft haben, eine Welt zu entwickeln, in der dies ein Ende hat.

Die andere Symbolik, die in der Abrahamsgeschichte steckt, ist die Frage: Was bin ich bereit, für etwas, an das ich glaube, aufzugeben? Das Thema der Opferbereitschaft begleitet uns in so mancher Diskussion der letzten Jahre. Wären wir bereit, auf unsere bequeme Mobilität zu verzichten, um Abgase aus fossilen Energien zu vermeiden? Würden wir für mehr Tierwohl auf billiges Fleisch verzichten? Sind wir bereit, einen Teil unseres Überschusses an Bedürftige hier, aber auch in anderen Ländern abzugeben? Sind wir bereit, auf Teile unserer Freiheit zu verzichten, um die Gesundheit anderer Menschen zu schützen?

Die Abrahamsgeschichte stellt in ihrer Radikalität eine extreme Frage: Bist Du bereit, für etwas, an das du glaubst, dein Liebstes zu opfern? Gleichzeitig mildert dieselbe Geschichte diese Forderung ab, weil schnell verständlich wird, wie fatal diese Frage ist. Nicht mehr das Liebste sollst Du opfern, aber dennoch etwas, das liebsam ist. Und so bleibt die archaisch anmutende Frage, ein Opfer erbringen zu sollen, auch noch in unserer heutigen Welt erstaunlich frisch. Denn wir können uns mittlerweile weder bei Klima-, Tier- noch Gesundheitsschutz vorstellen, dass es gehen kann, ohne dass man etwas Bedeutendes von sich hergibt.

Wir stehen also vor der Frage der Opferbereitschaft. Und eine Spende für die Geschädigten der Flutkatastrophe könnte ein nächster Schritt sein.