Der Fastenmonat Ramadan 2022 beginnt Berechnungen zu Folge dieses Jahr am Samstag, den 02. April. Weltweit werden Musliminnen und Muslime auch dieses Jahr einen Monat lang bis ein-schließlich am 1. Mai 2022 fasten. Der Fastenmonat ist eine besonders spirituelle Zeit, in der sich Muslime die Vergebung ihrer Sünden erhoffen und eine Annäherung an das reine, ursprüngliche Wesen des Menschen anstreben. „Von Ihm kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück“ ist die Devise. So versuchen die Muslime sich im Fastenmonat Ramadan von weltlichen Dingen so weit wie möglich zu distanzieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Die Musliminnen und Muslime sollen sich möglichst von schädlichen Gedanken, Gefühlen und Taten fernhalten. Dagegen helfen insbesondere gute Taten die Glücklichkeit für sich und für andere hervorrufen. Der Körper kann durch den Verzicht auf Essen, Trinken und Genussmittel zur Ruhe kommen. Die Seele hingegen kann sich durch die innere Einkehr, vermehrtes Beten, mehr Reflexion und erhöhte Achtsamkeit sowie durch die soziale Fürsorge, vom Stress und der belastenden Zeit der restlichen 11 Monate erholen.

In allen Religionen gibt es besondere Zeiten, in denen der Verzicht auf bestimmte Genussmittel und Rückzug und Besinnung empfohlen wird. Denn der Mensch braucht die Erholung, um sich zu regenerieren. Daher dürfte der Ramadan keine unbekannte Fürsorgemaßnahme für Körper und Seele sein. Dennoch gibt es immer wieder Missverständnisse insbesondere in der Schule oder Arbeitswelt, wenn es um Leistungsfähigkeit des Einzelnen geht. Es wird oft als Verweigerung zur Teilnahme und Leistungserbringung gedeutet.

Dabei könnte uns die gesellschaftliche Umorientierung in der Pandemie gelehrt haben, dass es auch anders gehen kann. Die Coronazeit hat bei fast allen Menschen innerhalb der letzten zwei Jahre eine Umstellung erfordert. Das zwingende Homeoffice, der zwingende Verzicht auf soziale Kontakte brachte mehr Zeit für die Familie und mehr Zeit zum Nachdenken, mehr Zeit eventuell für eine Rückbesinnung. Auch die Musliminnen und Muslime waren zum Teil mit der Pandemie über eine längere Zeit überfordert. Insbesondere die zwei vergangenen Ramadan Monate im Jahr 2020 und 2021 haben die sozialen Kontakte und damit die soziale Fürsorge allgemein aber auch in diesen besonderen Zeiten erschwert. Dieses Jahr hoffen wir diese nachholen zu können.

Denn Besinnung, Barmherzigkeit, Rücksicht und Empathie sind besondere Merkmale des Fastenmonats Ramadan. Der Ramadan bietet die Möglichkeit sich seiner selbst und anderer bewusst zu werden. Den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und sich an die wesentlichen Dinge des Lebens zu erinnern. Der Ramadan erhöht das Bedürfnis, Menschen, die wir nicht persönlich kennen, aber von denen wir wissen, dass sie in Not sind und Hilfe brauchen, einzuschließen und teilhaben zu lassen an der eigenen Welt und den eigenen Möglichkeiten. Sei es Geld, Wohnung, Essen, Kleidung oder Liebe und Aufmerksamkeit.

Auch dieses Jahr werden wir als Sozialdienst muslimischer Frauen unsere besondere Aufmerksamkeit den Frauen, Jugendlichen, Kindern und Bedürftigen Menschen widmen, die Unterstützung und Hilfe benötigen. Wir werden uns mit all unserer Kraft selbstverständlich unter anderem auch um kriegsgeschädigte Frauen und Kinder aus der Ukraine kümmern. Wir bitten zugleich alle unsere Engagierten die vielen bedürftigen Menschen auf der ganzen Welt nicht zu vergessen und an Hilfsorganisationen zu spenden. Durch unseren Hilfefond für Frauen, die unter Gewalt leiden, bauen wir zwischen Spender und Hilfebedürftigen weiterhin Brücken.

Wir wünschen allen unseren Ehrenamtlichen, allen Musliminnen und Muslimen und allen Menschen in aller Welt eine gesegnete, gewaltfreie und gesunde Fastenzeit.