Chancengerechtigkeit statt Stillstand: Warum die Bildungspolitik jetzt neue Wege gehen muss 

22.01.2026

Der Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen (SmF) gratulierte in einem Brief gemeinsam mit dem bundesweiten Zusammenschluss von Migrant*innenorganisationen der neuen Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Frau Anna Stolz, zur BMK-Präsidentschaft. 

Am 22.01.2026 war Bundesvorsitzende des Wohlfahrtsverbands Sozialdienst muslimischer Frauen, Ayten Kılıçarslan, an der feierlichen Staffelübergabe als Gast geladen und überreichte Frau Stolz gemeinsam mit Vertreter*innen anderer Migrantenorganisationen persönlich den Brief. 

Mit diesem Amtswechsel verbindet der Verband die dringende Erwartung, begonnene Reformprozesse konsequent fortzuführen. Gerade jetzt müsste die Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen vertieft werden. 

Auch im neuen Jahr stützt der Wohlfahrtsverband seine Erwartungen auf die im Oktober 2025 formulierten Schwerpunkte und fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Bildungspolitik in folgenden Bereichen: 

1. Strukturelle Verankerung statt punktueller Projektförderung  

Die bisherige Praxis, zentrale Aufgaben wie die Eltern- und Erziehungsarbeit über kurzfristige Projektmittel zu finanzieren, greift zu kurz. Erfolgreiche Bildungsarbeit benötigt Vertrauen und Kontinuität. Der SmF fordert eine institutionelle Verankerung der Kooperationen zwischen Verbänden, Ländern und Bildungseinrichtungen. Nur eine nachhaltige Ressourcenplanung ermöglicht es Brückenbauern, Familien langfristig zu begleiten und zu stärken. 

2. Ganzheitliche Elternarbeit und Abbau von Barrieren  

Wie Staatsministerin Stolz bereits 2025 betonte und heute wiederholte, ist die Kooperation mit Eltern eine zentrale Voraussetzung für den Bildungserfolg. Der Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen fordert daher, Barrieren für die Elternbeteiligung systematisch abzubauen. Eltern dürfen in Bildungsfragen nicht allein gelassen werden; sie müssen in ihrer Erziehungsfähigkeit gestärkt und als gleichwertige Partner im Bildungsprozess anerkannt werden. 

3. Konsequente Aufarbeitung von Diskriminierung und Ausgrenzung  

Viele Kinder machen bereits in der frühen Kindheit und Grundschule Erfahrungen von „Anderssein“. Der Wohlfahrtsverband beobachtet, dass Diskriminierung ein wesentlicher Faktor für Motivationsverluste bei Jugendlichen ist. Diskriminierungserfahrungen müssen dringend ernst genommen und Strukturen, die Ausgrenzung ermöglichen, gemeinsam mit den Betroffenen kritisch überprüft und verändert werden. Zudem müssen Schüler*innen in der Schule Anerkennung für ihre Identität erfahren. 

4. Transparenz und echte Erfolgsaussichten  

Es reicht nicht aus, Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu stärken. Jugendliche brauchen eine echte Perspektive. Es muss sichergestellt werden, dass ausschließlich gute Leistungen unabhängig von der Herkunft zu gerechten Noten und realen Aufstiegschancen führen. Nur wenn das Versprechen der Leistungsgerechtigkeit eingelöst wird, bleibt die Motivation für Bildungserfolg erhalten. 

5. Innovation und moderne Austauschformate  

Die deutsche Bildungspolitik basiert in weiten Teilen auf veralteten Grundlagen. Der SmF hält neue, innovative Ansätze in der Bildungspolitik wichtig. Es müssen auch Räume geschaffen werden, die Eltern, Schüler*innen, Wissenschaft und Schulleitungen direkt in die strategische Planung einbeziehen. 

„Die von Frau Stolz bei der Übernahme der Präsidentschaft vorgestellten neu Ansätze; digitale Bildung inklusive digitale Technologie, mehr Sport und Bewegung in der Schule, werteorientierte Bildung und positive und gesunde Leistungskultur erwischt den Geist unsere Zeit und birgt viele Antworten aktuelle Herausforderungen. Wie Frau Stolz und die Bundesministerin für Bildung Frau Prien festgestellt haben müssen dafür neue Methoden entwickelt und auch die Lehrerschaft fortgebildet werden. In einer Welt, die KI fast in allen Bereichen eingesetzt wird, dürfen wir ethische Grundsätze nicht überspringen. Sowohl der Bildungsauftrag als auch wertebildende Maßnahmen in Bildungswesen können und dürfen nicht ohne Beteiligung und sogar Kompetenzsteigerung der Eltern gemeistert werden. Deshalb gewinnt der Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft einen anderen Wert an Notwendigkeit und dafür müssen bessere Austauschformate entwickelt werden“, erklärt die Bundesvorsitzende Ayten Kılıçarslan.  

Der Wohlfahrtsverband Sozialdienst muslimischer Frauen versteht sich als kompetenter Partner, der die Interessen und Lebensrealitäten muslimischer und migrantisierter Familien vertritt. Ziel muss es sein, Bildung neu zu denken und mutige Innovationen zuzulassen, um Teilhabe und Gerechtigkeit für alle Bevölkerungsgruppen zu fördern.