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Wie entsteht eigentlich ein T-Shirt? Was ist uns beim Kauf von Kleidung wichtig? Und was passiert mit einem Kleidungsstück, wenn wir es nicht mehr tragen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen unserer Kleidertauschparty „Fast Fashion? – Nicht mit uns!“ im Rahmen des Projekts wirKEn – Wir in Kempten für Nachhaltigkeit und Integration.

Von der Baumwolle bis zum Kleiderschrank

Zu Beginn ging es ganz persönlich los: Was ist unser Lieblingskleidungsstück? Was hängt seit Jahren im Schrank, obwohl es vielleicht gar nicht mehr passt? Und worauf achten wir beim Kleidungskauf?

Als wichtigste Kriterien nannten die Frauen vor allem Bequemlichkeit, aber auch Preis, Qualität, Aussehen, Marke und Nachhaltigkeit spielen eine Rolle.

Anschließend wurde es konkreter: Gemeinsam schauten wir uns am Beispiel eines T-Shirts an, welchen Weg Kleidung zurücklegt, bevor sie bei uns im Laden landet. Von der Baumwolle über die Verarbeitung und das Färben bis zum Nähen und Transport sind viele einzelne Arbeitsschritte und oft mehrere Länder beteiligt. Ein T-Shirt kann dabei sinngemäß zweimal um die Welt reisen, bevor es bei uns im Regal liegt.

Auch die Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion wurden thematisiert. Besonders eindrücklich war der Blick auf die Lohnkosten: Für die Herstellung eines T-Shirts erhält eine Näherin bzw. ein Näher teilweise nur wenige Cent pro Stunde. Gleichzeitig kostet das fertige T-Shirt im Handel beispielsweise 29,90 Euro. Die Frage, wie dieser Preis zustande kommt und wer entlang der Lieferkette welchen Anteil daran erhält, machte deutlich, dass hinter unserer Kleidung weit mehr steckt als das fertige Kleidungsstück im Laden.

Wie lange tragen wir unsere Kleidung?

Auch der Lebenszyklus unserer Kleidung war Thema. Viele Kleidungsstücke werden nur wenige Male getragen, bevor sie aussortiert werden. Gleichzeitig besitzt eine Person im Durchschnitt 95 Kleidungsstücke – und vieles davon wird nur selten genutzt.

Damit stellte sich die Frage: Müssen wir wirklich immer neu kaufen?

Eine Möglichkeit ist, Kleidung länger zu tragen, zu reparieren, weiterzugeben oder zu tauschen. Genau das wurde anschließend ganz praktisch ausprobiert.

Tauschen statt neu kaufen

Jede Teilnehmerin konnte bis zu zehn gut erhaltene Kleidungsstücke mitbringen. Die Kleidung wurde gemeinsam auf den Tischen verteilt – und dann ging es los: Im Nu wurde gestöbert, anprobiert und getauscht.

Die Begeisterung war groß. Eine Teilnehmerin fand gleich vier neue Outfits, die perfekt zu ihr passten. Auch unsere Tauschecke wurde ausgiebig genutzt.

Dabei wurde schnell deutlich: Ein Kleidungsstück muss nicht neu gekauft werden, um wieder zum Lieblingsstück zu werden.

Viele Frauen erzählten außerdem, dass Kleidertauschpartys heute seltener geworden seien und zunehmend durch Flohmärkte ersetzt würden. Umso schöner war es, einen Ort zu schaffen, an dem Kleidung nicht verkauft, sondern weitergegeben und getauscht wird.

Nachhaltigkeit, die im Alltag funktioniert

Die Kleidertauschparty hat gezeigt, dass nachhaltiger Konsum nicht kompliziert sein muss. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles anders zu machen. Vielmehr können wir bei unseren alltäglichen Entscheidungen ansetzen: Weniger neu kaufen, vorhandene Kleidung länger nutzen, tauschen, weitergeben und bewusster einkaufen.

Damit berührt das Thema gleich mehrere der Sustainable Development Goals (SDGs): hochwertige Bildung (SDG 4), menschenwürdige Arbeit (SDG 8), nachhaltige Produktion (SDG 9 und SDG 12) sowie Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13).

Gleichzeitig hatte die Veranstaltung einen ganz unmittelbaren sozialen Mehrwert. Die Frauen kamen miteinander ins Gespräch, lernten sich kennen und tauschten nicht nur Kleidung, sondern auch Erfahrungen, Tipps und Geschichten aus. Gerade solche niedrigschwelligen Begegnungen schaffen Raum für Austausch und stärken die Gemeinschaft.

wirKEn verbindet deshalb Wissen mit konkretem Handeln: Wir sprechen über Nachhaltigkeit – und probieren gemeinsam aus, wie sie im Alltag funktionieren kann.

Bei unserer Kleidertauschparty wurde aus einem Kleidungsstück, das im eigenen Schrank nicht mehr gebraucht wurde, ein neues Lieblingsstück einer anderen Frau. Genau so kann nachhaltiger Konsum aussehen.

FÖRDERUNG
Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Gesellschaftlichen Zusammenhalts – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden.“ mit Fördermitteln des Bundesministeriums des Innern und für Heimat gefördert. #bgzvorort @bamf_bund